Interview mit einem Sklaven

Master Nobi hat sich im April 2010 mit einem Sklaven unterhalten, welcher seine Neigung real ausgelebt hat. Das Gespräch ist im Anschluss zu lesen.

GesprächspartnerFrage und Antwort
Master NobiWie bist du zum BDSM gekommen?
SklaveZufällig. Es war die Unwissenheit, die ich vor 25 Jahren hatte. Ich fühlte mich damals schon zu einem anderen Jungen hingezogen, ohne zu wissen, was er für ein Typ Mensch ist. Es stellte sich bald heraus, dass er arrogant und rechthaberisch war
Master NobiUnd trotzdem wolltest du mit ihm zusammen sein?
SklaveJa. Ich hatte damals, wie teilweise heute noch, eine sehr devote Lebensart. Und deshalb gefiel mir sein Verhalten mir gegenüber, was ich sehr anziehend fand.
Master NobiWar es dir klar, devot zu sein oder hast du dir darüber keine Gedanken gemacht?
SklaveNein. Klar war es mir nicht. Mir waren Begriffe wie Devot, Dominanz oder BDSM völlig unbekannt. In meiner Naivität hielt ich ihn für eine starke Person mit Durchsetzungsvermögen, und deshalb fühlte ich mich zu ihm hingezogen. Ich habe Dominanz gebraucht und habe sie bei ihm gefunden.
Master NobiUnd er?
SklaveHeute weiß ich, dass ich für ihn sehr interessant war. Aber damals? Nein. Damals hatte ich diesen Eindruck ganz und gar nicht, bis er irgendwann auf mich zukam und sich rein freundschaftlich mit mir beschäftigte. Wir haben gemeinsam fast jede freie Minute verbracht. Es entstand eine innige Freundschaft, in der sich Jeder auf den Anderen zu 100 % verlassen konnte.
Master NobiHat er dich von Anfang an dominiert oder war die Freundschaft zu Beginn gleichberechtigt?
SklaveJa und nein, was das Dominieren betrifft. Er sagte mir zwar, was ich zu tun und zu lassen hatte, aber ich empfand es nicht als Dominanz, denn er ließ mir immer selbst die Wahl, seinen Ratschlägen und Anweisungen zu folgen.
Was die Gleichberechtigung betrifft, so wandelte sich diese Gleichberechtigung im Laufe der Zeit für mich sehr, wenn auch langsam und fast unmerklich. Er dominierte mich immer mehr und nahm mir Stück für Stück die Gleichberechtigung. Als ich es merkte, war es im Prinzip schon zu spät. Er hatte die volle Kontrolle über mich. Jeder Versuch, aus der Kontrolle zu entschwinden, schlug wegen seinem Durchsetzungsvermögen fehl. Ich war ihm unterlegen. Und ... Tja, ich fand es sehr schön, so dominiert zu werden.
Master NobiHattet Ihr zu diesem Zeitpunkt Sex miteinander?
SklaveNein. Sex spielte noch keine Rolle.
Master NobiWie beurteilst Du dieses Verhältnis aus heutiger Sicht?
SklaveEs war ein sehr schönes DS-Verhältnis. Also ein Verhältnis zwischen zwei sich Liebenden gepaart mit einer großen Portion Dominanz und Submission bei klar verteilten Rollen.
Master NobiDu sprichst von einem Liebesverhältnis. War euch beiden zu dem Zeitpunkt schon klar, dass Ihr euch liebt?
SklaveDamals nicht. Heute kann ich nur für mich sprechen und ich muss sagen: ja, heute ist es mir klar.
Master NobiWann kam in Eurer Beziehung die sexuelle Komponente?
SklaveDer Sex zwischen mir und meinem Freund begann mit meiner Ausbildung zum Sklaven.
Master NobiWie kam es zu einer Sklavenausbildung?
SklaveEr fragte mich, ob ich ihn mag und ob ich ihm vertraue. Ich sagte ja, denn unser Verhältnis war von meiner Seite her mehr als nur freundschaftlich. Dann fragte er mich, ob ich bei ihm das Leben eines Unterwürfigen kennenlernen will. Die Frage kam zwar überraschend für mich, aber ohne lange nachzudenken sagte ich ja. Nicht zuletzt auch, weil ich Angst hatte, ihn zu verlieren, wenn ich nein sagen würde.
Master NobiWie kam es dann zum ersten Sex?
SklaveEs war wohl, wie bei Vielen. Ich hatte ihn zu befriedigen, ihm einen zu blasen usw. Er bedankte sich bei mir und ich wartete auf irgendeine Aktivität seinerseits. Ich wollte, dass auch er mich befriedigte. Dumm nur, dass er gar nichts davon hielt. Und bereits bei der ersten Berührung meines Schwanzes mit meiner Hand verpasste er mir eine erste leichte Ohrfeige, grinste mich spöttisch an, drehte sich um und wandte sich wieder seiner Tätigkeit zu. Ich packte alles wieder ein und wagte es nicht, mich von der Stelle zu bewegen. Nach einiger Zeit meinte er, ich solle endlich verschwinden und Morgen wiederkommen.
Master NobiWarst Du nicht frustriert über sein Verhalten?
SklaveNein, ich nahm es als Lektion hin. Natürlich haben wir am nächsten Tag über das Geschehene gesprochen, wie wir es übrigens immer gemacht haben.
Master NobiIn diesen Gesprächen hat er dir also sein Verhalten erklärt?
SklaveJa. Und ich hatte die Erlaubnis ihm zu sagen, wie ich mich fühlte.
Master NobiDu durftest also jederzeit Fragen stellen?
SklaveJa, wann immer ich Fragen hatte. Allerdings wurden diese Gespräche im Zuge der Ausbildung weniger. Am Schluss unterhielten wir uns nur noch etwa alle 2 Wochen.
Master NobiDiese Gespräche haben Dich also in deiner Ausbildung weiter gebracht?
SklaveJa. Sie waren ein wesentlicher Bestandteil.
Master NobiUnd welche anderen Bestandteile gab es noch?
SklaveDemütigungen, wann und wo immer es ihm einfiel. Erlernen für mich unbekannter Sexpraktiken, Erduldung von Strafen bzw. Schmerzen. Und nicht zu vergessen: die Vertiefung meiner Rolle im Kopf, meine innere Einstellung, das zu sein, was er wollte.
Master NobiHattest Du zu diesem Zeitpunkt schon sexuelle Erfahrungen?
SklaveIch war 18 oder 19. Meine sexuellen Erfahrungen beschränkten sich auf kuscheln und küssen von Männern und Frauen. Ok. Wie man Kinder macht, wusste ich auch. Aber praktisch ausprobiert hatte ich es bis dahin nicht. Meine ersten tiefergehenden Sexerfahrungen hatte ich mit meinem Master.
Master NobiWie erfahren war dein Master?
SklaveDa wir etwa gleichaltrig waren, hatte Er das gleiche Wissen, wie ich. Wir haben mit und voneinander gelernt und uns so weiterentwickelt. Ich bemerkte jedoch, dass er seine Erfahrungen mit anderen Mastern austauschte. Mir ist jedoch immer verschlossen geblieben, woher er seine Kontakte hatte. Soetwas wie das Internet gab's damals ja noch nicht.
Master NobiWelche Bedeutung hatte der Sex in euerer Beziehung?
SklaveIn der ersten Zeit meiner Ausbildung war er Mittel zum Zweck. Erst nach einigen Monaten entwickelte sich der Sex zur Erfüllung unserer beider Wünsche und Bedürfnisse.
Master NobiWann kam SM ins Spiel?
Sklaveschon sehr bald nach meinem Ausbildungsbeginn. Im Laufe der Zeit erhielt SM die Oberhand und der harmlose Sex rückte immer mehr in den Hintergrund. Mein Master war der Meinung, dass zu einem guten Sklaven eine entsprechend harte Ausbildung gehört. Natürlich umfasst das alle Bereiche meines Lebens, insbesondere aber den Sex mit anderen Männern. Stichworte: Verleihung, CBT, TT, ficken, Dildospiele und Schläge.
Master NobiHattet Ihr ein Stoppwort vereinbart?
SklaveNein, denn soetwas gab es bei uns nicht. Wir kannten uns mittlerweile so gut, dass ein Stopp- bzw. Slowwort bei uns nicht notwendig war. Vermisst haben wir soetwas auch nicht.
Master NobiHälst Du ein Stoppwort für sinnvoll?
SklaveJa, unbedingt. Ein Stoppwort ist für ein Paar, das sich (noch) nicht genau kennt, ein undiskutierbares Muss. Dass ich mit meinem Master damals kein Stoppwort hatte, lag daran, dass wir uns beide sehr gut kannten und wir beide gegenseitig Vertrauen hatten. Er wusste sehr genau, wann er aufhören musste oder wann er noch weitergehen konnte. Außerdem hat mein Master grundsätzlich Neues ersteinmal an sich selbst ausprobiert, bevor ich für ihn herhalten musste.
Master NobiHaben sich während deiner Ausbildung Deine Grenzen verschoben?
SklaveJa.
Master NobiWelche Grenzen sind das?
SklaveMeine Einstellung, unterwürfig zu sein, hat sich zum Bewusstsein verändert, Sklave eines Masters zu sein. Sexuell hat sich mein Horizont durch neue Praktiken erweitert. Der vorhandene Widerstand, die neuen Praktiken durchzuführen, wurde gebrochen, so dass ich heute für fast alle Praktiken offen bin. Was die Schmerzgrenze betrifft, war ich nie besonders empfindlich. Dennoch gab mein Master mir die Chance, auch hier meine Grenze erheblich zu erweitern. Dafür bin ich ihm heute sehr dankbar.
Master NobiWie lange hat Deine Ausbildung gedauert?
SklaveDie Ausbildung hat insgesamt etwa 2 Jahre gedauert. Mit meinem Master habe ich dann noch 2 weitere Jahre als sein Sklave gelebt.

Noch ein Wort zum Schluss

Das ganze Gespräch hat etwa eine Stunde gedauert, und wurde bereits währenddessen schriftlich niedergeschrieben.

Dieser Sklave, der anonym bleiben möchte, hat im Gespräch recht ausführlich seinen Werdegang von einem Jungen zu einem Sklaven geschildert. Heute lebt der Sklave in Berlin und hat sich weitestgehend aus der Szene zurückgezogen. Er hat 4 Kinder und lebt glücklich mit seinem schwulen Partner zusammen.